Ihr Wissensdurst und Tatendrang sind ansteckend. Ich freue mich mit ihnen, dass sie nun in den Alltag auf der Intensivstation eintauchen dürfen. Natürlich bedeutet das auch zusätzliche Arbeit für unser Team. Zu den bereits über hundert Namen kommen viele neue dazu. Und jedes Mal beginnen wir wieder von vorne: Wir zeigen, wo die Milch für die Babys gelagert wird, wo das Verbandsmaterial zu finden ist und wie unser Tagesablauf aussieht. Dazu gehört auch der tägliche Huddle, zu dem wir uns pünktlich um 8.30 Uhr treffen. Auch die neuen Studierenden müssen sich also einiges merken. Kein Wunder, dass sie die Station am Abend mit einem rauchenden Kopf verlassen.
Trotzdem sitzen sie am nächsten Tag wieder engagiert da und wollen wissen, wie das Absauggerät funktioniert. Sie stellen interessiert Fragen, schauen und hören dir auch ganz genau zu. Manchmal muss ich schmunzeln, wenn sie sich bestimmte Sätze merken und dann den Familien unsere IPS-Welt in „meinen Worten“ erklären. Lernen erweitert den Horizont. Und auch mir tut es gut, andere zu begleiten. Als ausgebildete Expertin Intensivpflege gehört es zu meinen Aufgaben Studierende auf ihrem Lernweg zu unterstützen. Mit den Studierenden Patientensituationen zu besprechen, mögliche Herausforderungen vorauszudenken und Gespräche mit den Familien zu reflektieren, hilft mir, mein eigenes Wissen up to date zu halten und meine Arbeitsweise zu reflektieren. Denn beim Begleiten lernen nicht nur die Studierenden – auch ich lerne immer wieder dazu.
Dipl. Expert/in Intensivpflege – Die Alleskönner
Was gilt es eigentlich zu lernen? Wenn du bei uns Expert/in für Intensivpflege werden willst, gilt es nicht nur das Bedienen von einer Armee von Geräten zu meistern, wir müssen auch lernen, die Prozesse im Körper noch genauer zu verstehen. Mit jeder Ausbildungsstufe lernen wir genauer, wie der Körper im gesunden und kranken Zustand funktioniert und wie er sich selbst heilt. Ich staune immer wieder darüber, wozu unser Körper fähig ist. Es fasziniert mich, wie er Schadstoffe erkennt und beseitigt oder seine Funktionen laufend an die Bedürfnisse anpasst. Zum Beispiel die Lunge steuert mit jedem Atemzug, wie viel Sauerstoff ich brauche, um zu funktionieren.
Nun als Expertin für Intensivpflege bin ich dafür verantwortlich, noch einen Schritt weiter zu denken. Die Kinder, die wir betreuen, sind kritisch krank. Ihr Körper leistet Schwerstarbeit: Er versucht, lebenswichtige Funktionen aufrechtzuerhalten, Störungen auszugleichen und die Genesung voranzutreiben. Doch diese Kräfte sind begrenzt. Irgendwann droht der Körper zu erschöpfen und kann die lebenswichtigen Funktionen nicht mehr ausreichend selbst aufrechterhalten. Genau deshalb brauchen diese Kinder uns und die Unterstützung der Intensivstation.
«Wenn du bei uns Expert/in für Intensivpflege werden willst, gilt es nicht nur das Bedienen von einer Armee von Geräten zu meistern, wir müssen auch lernen, die Prozesse im Körper noch genauer zu verstehen. »
Wir unterstützen die Diagnostik, um herauszufinden, woran die Kinder erkrankt sind, und helfen ihnen mit der passenden Behandlung auf dem Weg der Genesung. Wenn ein Kind beispielsweise angestrengt atmet und zunehmend erschöpft, kann ein Atemunterstützungsgerät helfen – etwa über eine Maske oder einen Tubus. Wir stellen das Gerät individuell ein und passen die Unterstützung laufend an. Auch die Blutwerte geben uns wichtige Hinweise darauf, wie es dem Kind geht und wie gut die Atmung funktioniert. Wenn das Herz nicht mehr genügend Kraft hat, um selbst ausreichend Blut zu pumpen, kommen Medikamente zum Einsatz. Diese müssen wir exakt dosieren und ihre Wirkung sorgfältig überwachen.
Auch die Körpertemperatur können wir gezielt beeinflussen, wenn es nötig ist. Gleichzeitig achten wir darauf, den Körper möglichst wenig zusätzlich zu belasten und eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Wo nötig, beeinflussen wir auch die Schlaf- und Wachphasen und unterstützen die Kinder bei der Ausscheidung.
Wer aufmerksam liest, merkt: Wir können in viele Körperfunktionen eingreifen. Wer das tut, muss genau verstehen, warum dieser Eingriff notwendig ist und was dabei schiefgehen kann.
«Wer aufmerksam liest, merkt: Wir können in viele Körperfunktionen eingreifen. Wer das tut, muss genau verstehen, warum dieser Eingriff notwendig ist und was dabei schiefgehen kann.» |
Dipl. Expert/in Intensivpflege – Kommunikationsmeister
Dazu kommt natürlich auch noch die ganze Kommunikation. Die Patient/innen sollen, soweit möglich, verstehen können, was mit ihnen geschieht, und auch die Eltern und Geschwister sollen nachvollziehen, wo sie gelandet sind und was die nächsten Schritte sind. Oft sind IPS-Aufenthalte ungeplant und der Familienalltag hat die Haltetaste gedrückt. Unsere Studierenden sollen also auch lernen, mit Familien in Extrem- und Stresssituationen zu kommunizieren und sie entsprechend begleiten zu können.
Es gibt Krankheitsbilder, Geburtsgebrechen oder Operationen, die ein IPS-Bett und entsprechende Gerätschaften erfordern. Auch das will gelernt sein. Zum Beispiel werden Kinder mit Sauerstoffmangel unter der Geburt, einem schweren Herzfehler oder nach einer Organtransplantation von uns gepflegt.
«Oft sind IPS-Aufenthalte ungeplant und der Familienalltag hat die Haltetaste gedrückt. Unsere Studierenden sollen also auch lernen, mit Familien in Extrem- und Stresssituationen zu kommunizieren und sie entsprechend begleiten zu können. »
Dipl. Expert/in Intensivpflege – Teamplayer
Wer auf der IPS arbeitet, sollte sehr selbständig arbeiten können, aber auch gerne im Team unterwegs sein. Ein schwer krankes Kind am Leben zu erhalten, erfordert viel Unterstützung und Zusammenarbeit. Wir müssen auch in stressigen Situationen klar, wertschätzend und effizient im interprofessionellen Team kommunizieren können.
Du solltest robust und belastbar sein, denn manchmal können wir erst dann Pause machen, wenn es die Patientensituation zulässt. Hektik kann von einer Sekunde auf die andere ausbrechen, wenn sich der Zustand eines Kind akut verschlechtert oder ein Schockraum angemeldet wird.
Auch dort sind wir involviert. Wir helfen bei der Erstversorgung nach Unfällen, wenn die Kinder von den Sanitätern gebracht werden, oder holen gemeinsam mit ihnen ein Baby aus dem Geburtshaus, wenn es unsere Hilfe braucht. Währenddessen hüte ich auch mal die Kinder meiner Arbeitskolleg/innen, wenn sie diesen Einsatz leisten. Ich muss also 24/7 flexibel sein und delegieren können.
Dipl. Expert/in Intensivpflege – Selbstfürsorger/innen
Damit ich diese Verantwortung tragen kann, muss ich auch gut zu mir schauen. Manchmal erhole ich mich nach der Arbeit bewusst in der Natur oder powere mich im Sport so richtig aus. Es gibt auch Situationen, etwa wenn wir ein Kind nicht retten können, die mitten ins Herz gehen. Dann brauche auch ich mal eine Umarmung und einen Kaffee mit meinen Arbeitskolleg/innen, um das Geschehene zu verdauen.
Unsere Arbeit ist vielseitig, anstrengend, lustig, kurzweilig und unvergleichlich. Wir sind am Puls des Lebens und brauchen Köpfchen, ein riesiges Herz und Hände, die vor nichts zurückschrecken.
Wir sind die unterschiedlichsten Menschen in unserem Team, doch da ist immer Platz für Solche, die mitanpacken und wirken wollen. Gemeinsam mit uns lernst du dazu und kannst eines Tages deinen Wissensschatz weitergeben.
Und darum ein Hoch auf den Ausbildungs-, Skills- und Grade Mix: auf die glänzenden FaGe-Augen, die alles aufsaugen, die HF, die bei der Visite alle wichtigen Punkte nennen, und die NDSler die voller Tatendrang das CPAP verstehen wollen.
Wir freuen uns auf dich. Auf die Pflegenden von morgen.
«Unsere Arbeit ist vielseitig, anstrengend, lustig, kurzweilig und unvergleichlich. Wir sind am Puls des Lebens und brauchen Köpfchen, ein riesiges Herz und Hände, die vor nichts zurückschrecken.» |
Glossar
NDS: Nachdiplomstudium
IPS: Intensivpflegestation
FaGe: Fachfrau Gesundheit
HF: Pflegefachfrau Höhere Fachschule
NDSler: Pflegefachfrau in Ausbildung zur Expertin Intensivpflege