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Hot Summer in der Pflege

  • Esther Peyer

Zürich, 35 Grad, die Frisur hält, das Gesicht schmilzt. Trotz heruntergelassener Rollläden, Ventilatoren und Kühltücher schleiche ich verschwitzt über die Abteilung. Dabei immer nur auf eine Arbeit fokussiert. Das komplexe Denken fehlt mir schwer, der Multitasking-Modus ist auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Mein Gehirn fühlt sich an wie eine Dörrpflaume. Und die Hitze schlägt auch aufs Gemüt der Bewohner:innen.

Ein erwachsener Mensch besteht zu etwa 60 % aus Wasser. Dieses befindet sich sowohl in den Zellen als auch in den Zellzwischenräumen, im Blut sowie in Organen wie der Blase, dem Magen und dem Darm.
Ein Teil dieses Wassers verliert der Körper täglich über die Blase und den Darm, über die Haut (durch Schwitzen) sowie über die Atmung. Bei starkem Schwitzen, Durchfall oder Fieber steigt der Flüssigkeitsverlust deutlich an. Wird dieser nicht ausreichend ausgeglichen, beginnt der Körper zu dehydrieren.
Mögliche Folgen einer Dehydrierung sind Durst, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen und Verstopfung.

Esther round
«Ein Teil dieses Wassers verliert der Körper täglich über die Blase und den Darm, über die Haut (durch Schwitzen) sowie über die Atmung.» 

Beim älteren Menschen, vor allem in Kombination mit Demenz, kann eine Dehydratation zu einem erhöhten Sturzrisiko führen, es können auch Persönlichkeitsveränderungen (Delir) auftreten, etwa Gereiztheit oder motorische Unruhe und starke Müdigkeit. Zudem werden beim Schwitzen wertvolle Elektrolyte ausgeschieden, was zu einem Ungleichgewicht von Natrium-Kalium führen kann. Beide sind für Reizweiterleitung von Nerven und für unser Herzrhythmus wichtig. Auch der Blutdruck kann zu hoch oder zu tief fallen. In diesem Fall gilt: Bei zu niedrigem Blutdruck kann eine lauwarme Bouillon helfen, bei zu hohem helfen verordnete Medikamente und nicht-isotonische Getränke.

 

«Beim älteren Menschen, vorallem in Kombination mit Demenz, kann eine Dehydration zu einem erhöhten Sturzrisiko führen – es können auch Persönlichkeitsveränderungen (Delir) auftreten, wie etwa Gereiztheit oder motorische Unruhe und starke Müdigkeit.» 
Esther round

Für uns Pflegefachpersonen sind Hitzetage mindestens genauso herausfordernd. Dann heisst es: Ruhe bewahren, Prioritäten setzen und gegenseitig gut auf sich achten. Das permanente Hin- und Hergehen auf der Abteilung kurbelt unsere Schweissdrüsen zusätzlich an – eine erfrischende Dusche für Bewohner:innen bedeutet für uns eher Masoala-Halle. Und auch wenn das Deo versagt, halten wir im Team zusammen und basteln aus Kühltüchern Bandanas, Halskrausen und Nemes-Kopftücher. Am Ende des Tages lässt man es sich mit einem leckeren Getränk gutgehen oder plant eine Abkühlung im nächstgelegenen Gewässer.

Folgende TIPPS bringen uns durch die heissen Sommertage:

  • Viel trinken: Faustregel 35ml/kg Körpergewicht – bei älteren Menschen kann die Menge mit dem Arztdienst definiert werden
  • Lauwarme Getränke: wie z.B. Pfefferminztee, Salbeitee
  • Kühltücher um den Nacken oder am Pulspunkt an den Handgelenken
  • Füsse im kühlen Wasser baden
  • Leichte Kost: Glacé, Joghurt, Früchte, Salate
  • Isotonische Getränke (2 Teile Wasser, 1 Teil Saft/Tee, 1/2 - 1 gestrichener Teelöffel Satz auf 1L), Bouillon
  • Pfefferminzöl mit Wasser mischen und auf der Haut einreiben (Achtung: vorher auf Verträglichkeit testen, nicht in Nähe von Augen oder Schleimhäute kommen)
  • Gegenseitiges Verständnis bei gereizter Laune
  • Siesta am Nachmittag
  • Von 5 - 8 Durchlüften, danach alle Fenster schliessen und Rollläden herunterlassen
  • Bei Menschen mit Demenz: Auf der Abteilung diverse Getränke hinstellen, Bewohner:innen bei der Wahl wettergerechter Kleidung helfen, Sommerschuhe oder Antirutschsocken anziehen

Bei Hitze zu vermeiden:

  • Alkoholkonsum – erhöht die Ausscheidung und Austrocknung
  • Eisgekühlte Getränke – der Magen muss das Wasser wieder aufwärmen
  • Sport – zusätzliches Schwitzen und Elektrolytverlust
  • Stress – erhöht die Durchblutung und erwärmt den Körper zusätzlich

Esther Peyer

Esther Peyer ist diplomierte Pflegefachfrau im Gesundheitszentrum für das Alter Bombach der Stadt Zürich und berichtet über Themen und Situationskomik aus der Langzeitpflege. Mit ihren Blogs möchte sie Menschen im Pflegeberuf, oder jene, welche sich für die Pflege interessieren, zum Nachdenken, Mitfühlen und Schmunzeln anregen, ohne dabei Schwierigkeiten zu tabuisieren.

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