Meine Ausbildnerin und ich besuchten morgens die Kinder-Notaufnahme, um einen Einblick in die Arbeitsabläufe zu erhalten. Da zu dieser Zeit nicht viele Kinder dort waren, hatten wir die Gelegenheit für ein ausführliches Gespräch mit einer Pflegefachperson. Sie erklärte uns häufige Diagnosen, wie beispielsweise Fieber ohne erkennbaren Ursprung, Meningitis (Hirnhautentzündung), Infektionen und viele andere Krankheiten. Ich fand dies äusserst interessant, da ich auf der Neonatologie mit anderen Diagnosen konfrontiert bin. Auf der Kinder-Notaufnahme behandelt man Kinder von der Geburt bis zum Jugendalter.
Nachdem ich in kurzer Zeit viel Fachwissen gewonnen hatte, durfte ich eine Bilirubin-Kontrolle bei einem Neugeborenen durchführen. Dabei entnahm ich vier Blutröhrchen, die im Labor auf erhöhte Bilirubinwerte untersucht werden sollten. Diese Situation kann bei Neugeborenen auftreten, da ihre Leber noch unreif ist und nicht alle Abfallstoffe aus dem Blutkreislauf filtern kann. Etwa zwei Stunden später erhielten wir die Laborergebnisse, die sich im Normalbereich befanden, weshalb die kleine Patientin nach Hause entlassen werden konnte. Anschliessend haben wir das Zimmer gründlich gereinigt und desinfiziert, damit es für den nächsten Patienten bereitstand.
Kurz darauf hatte ich die Gelegenheit, einen vier Monate alten Säugling zu überwachen, einschliesslich der Überwachung seiner Vitalzeichen und des Gewichts. Ich fand diese Erfahrung grossartig, da der Kleine lächelte und sehr aktiv war. Es war eine willkommene Abwechslung zu dem, was ich normalerweise auf der Neonatologie erlebe, und ich empfand es als sehr angenehm.
Im Laufe des Vormittags wurden mehrere Patient:innen mit verschiedenen Symptomen eingeliefert, darunter Bauchschmerzen, Fieber, Atemprobleme und Übelkeit. Dies waren allesamt Kinder unterschiedlichen Alters. Ich musste mich jedes Mal neu auf die Patient:innen einstellen und überlegen, wie ich in Übereinstimmung mit ihrem Alter professionell handeln sollte. Zum Beispiel hatte ich die Gelegenheit, die Vitalzeichen bei einer 15-Jährigen zu messen, einschliesslich Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz und Gewicht. Es war für mich eine besondere Situation, da sie in etwa meinem eigenen Alter entsprach und ich mir dies einfach nicht gewohnt war. Ich habe die Patientin auf Augenhöhe gesehen und war stets respektvoll. Dies war ein erfüllendes Erlebnis, da ich schon lange nicht mehr mit älteren Patient:innen zu tun hatte. Ich war sehr dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben, da sie mir erneut verdeutlichte, wie viel Freude mir meine Arbeit als Fachfrau Gesundheit bereitet.
In einem benachbarten Zimmer musste ein Säugling aufgrund von Atemproblemen inhalieren. Das Kind war sehr unruhig und empfand die Inhalation als unangenehm. Ich reagierte angemessen und konnte das Kind gut ablenken, indem ich ihm die Tierchen und Spielzeuge auf meinem Namensschild zeigte.
Nach diesem Tag wurde mir klar, dass die Arbeit im Kinder-Notfall sowohl anspruchsvoll als auch bereichernd ist. Ich habe erkannt, dass ich sehr gerne mit Früh- und Neugeborenen auf der Neonatologie arbeite, aber auch die Herausforderungen der Notfallpflege geniesse. Aufgrund dieser Erkenntnisse und meiner positiven Erfahrungen habe ich mich entschlossen, den Kinder-Notfall als eine mögliche Zukunftsoption in Betracht zu ziehen, obwohl er sehr anspruchsvoll ist. Die akute und unvorhersehbare Natur dieser Arbeit, da man nie weiss, welche Patientin oder welcher Patient eingeliefert wird, bietet einen aufregenden Adrenalinkick, der die Arbeit umso spannender macht.
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