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Von den Fettnäpfchen

  • Josefa Kohler

Schon immer hatte ich das Talent, mich in unangenehm peinliche Situationen zu bringen. Auch jetzt bei der Arbeit auf der Station gelingt es mir hin und wieder. 

Letztens zum Beispiel hatte ich einen Spätdienst. Normalerweise ist es recht ruhig und entspannt, doch an diesem einen Abend war es das pure Chaos. Wobei Chaos nicht das richtige Wort ist, es war mehr ein hektisches Durcheinander. Irgendwo haben sich zwei Patienten zerstritten, in der Küche kochte das Wasser über und niemand fühlte sich verantwortlich und genau in diesem Moment kam eine Patientin aus dem Tagesurlaub zurück.

Da ich mich als Lehrling im ersten Lehrjahr möglichst aus Krisensituationen (oder werdenden Krisensituationen) raushalten sollte, übernahm ich die Patientin, welche gerade zurückgekommen ist und führte mit ihr das gewohnte Prozedere durch; zuerst lässt man sie blasen, also einen Atemtest machen. Danach wird mit dem Patienten zusammen das Gepäck und die Taschen durchsucht. Und genau das habe ich gemacht. Einfach ohne Handschuhe. Vielleicht tönt es jetzt wie eine billige Ausrede, aber eigentlich ziehe ich mir IMMER Handschuhe an, zur eigenen Sicherheit. Zwar schützen diese nicht vor Einstichen durch scharfe und spitzige Gegenstände, aber es ist besser als nichts.

Aber genau an diesem besagten Tag, bei dieser besagten Patientin habe ich es vergessen. Als ich dann bei der dritten Plastiktüte angekommen bin, fragte ich sie, ob sie ihre Handtasche verloren hätte, denn während in den anderen Säcken neugekaufte Kleider waren, waren in diesem Sack Sachen wie Portemonnaie, Schlüssel, Haarbürste etc. Da antwortete sie: „Nein, wegen meinen Zwangsstörungen muss ich die Handtasche jedes Mal waschen, wenn sie jemand fremdes berührt.“ Und in einem solchen Moment versinke ich am liebsten im Erdboden. Da fragte ich sie, ob es noch etwas brächte, wenn ich mir jetzt noch Handschuhe anziehe. Da schaute sie ganz verlegen drein und nickte. Ich hätte mich selbst schlagen können.

Sie tat mir ja so leid und ich mir selbst auch. So etwas konnte auch nur mir passieren. Also zog ich die Handschuhe an, machte weiter, entschuldigte mich erneut, wünschte ihr eine gute Nacht und verzog mich peinlich berührt ins Stationsbüro um dies hier zu schreiben.

Das Gute an solchen Momenten ist, es wird mir wohl nicht mehr so schnell passieren. Dafür wahrscheinlich etwas Anderes, was auch nicht unbedingt besser ist.

Bemerkungen

Josefa Kohler

Josefa Kohler befindet sich im dritten Ausbildungsjahr zur Fachfrau Gesundheit in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, am Standort Rheinau. Für puls-berufe.ch erzählt sie aus ihrem Arbeitsalltag und berichtet von den Herausforderungen und den schönen Momenten, die dieser Beruf mit sich bringt.  

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