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Crans Montana: Die Pflege von brandverletzten Jugendlichen – Dies hat unser Herz berührt (Teil 5/5)

  • Katharina Rüdisüli

Der Frühling zog ein, und in kleinen, aber stetigen Schritten machten unsere Jugendlichen Fortschritte. Sie konnten die Intensivstation verlassen, traten ihre Rehabilitation an und erhielten einen Tapetenwechsel.

Ach, wie werde ich nicht vergessen, als Stefanie verkündete, dass ihr heute alles rundherum mal kurz egal war. Denn heute sei der Patient stabil und heute würden sie raus gehen. Alle Bremsen wurden gelöst und die Räder setzten sich in Bewegung. Mit Bett, Wärmedecken, allen Infusionen und Beatmung raus. Einfach raus an die frische Luft, kurz die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Was wir uns im Alltag selbstverständlich holen können, war für die Jugendlichen wochenlang nicht möglich.
Das ist für uns auch Pflege. Die Extrameile gehen. Überzeit auch mal bewusst in Kauf nehmen, um einen kurzen Augenblick der Freude zu schenken. Denn es sind diese Gesten, die bei den Patient:innen und Familien nachhallen und motivieren.

Katharina round
«Einfach raus an die frische Luft, kurz die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Was wir uns im Alltag selbstverständlich holen können, war für die Jugendlichen wochenlang nicht möglich.» 

Wie an einer Ziellinie hätten wir jubeln können. Wir stehen Spalier und freuen uns, dass wieder ein Patient den Weg raus aus der Intensivstation auf die Abteilung schafft. Marie-Sophie wird spontan stürmisch von den Angehörigen in den Arm genommen. Es wird ihr gerade von Herzen gedankt, für alles, was sie als Bezugspflege die letzten Woche geleistet hat.

Wir alle haben unsere Erinnerungsperlen sammeln dürfen mit den Jugendlichen und ihren Familien. Wir haben zusammen gelernt, gelacht, gewartet und sind miteinander gewachsen.

Interprofessionelle Zusammenarbeit

Um alle nötigen Therapien zu koordinieren, haben wir einen zusätzlichen Austausch geschaffen, bei dem wir uns zusammensetzten und festlegten, was die nächsten Behandlungsziele sein sollten. Es war nicht immer einfach, die Prioritäten klar zu ordnen: Braucht der oder die Patient:in nun kurz Ruhe und Erholung – oder doch mehr Physiotherapie, um Folgeschäden zu vermeiden?
Sagen wir Danke für das gegenseitige Rückenstärken, für das Zuhören, das Mitanpacken und das Aushalten.
Nebst der Pflege und dem ärztliches Team war da natürlich noch die Anästhesie, Sozialberatung, Ernährungsberatung, Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Psychologie, Wundberatung, Pflegeberatung chronischer Atemwege, Spitalapotheke, Seelsorge, Care Team, Pflegeassistenz, Familienzentrierte Pflegeberatung, die Pflege aller Abteilungen und der Rehabilitation… und jetzt habe ich bestimmt noch zig Leute vergessen. Mehr als eine Fussballmannschaft war mit auf dem Feld. Wir haben Aufgaben koordiniert, durchgeführt, delegiert und evaluiert. PS: es gibt wirklich für jede Persönlichkeit einen passenden Job im Gesundheitswesen. Mach dich schlau, wir freuen uns auf viele motivierte Hände ;)

«Nebst der Pflege und dem ärztliches Team war da natürlich noch die Anästhesie, Sozialberatung, Ernährungsberatung, Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Psychologie, Wundberatung, Pflegeberatung chronischer Atemwege, Spitalapotheke, Seelsorge, Care Team, Pflegeassistenz, Familienzentrierte Pflegeberatung, die Pflege aller Abteilungen und der Rehabilitation...»
Neuland Medien

Wir sind es uns nicht gewohnt, dass die Welt weiss, was wir tun. Normalerweise wissen die Menschen im Tram neben mir nicht, was ich bei meiner Arbeit erlebe. Auch meine Dentalhygienikerin nicht. Die Leute müssten fragen, warum wir heute so zerzaust aussehen oder warum da eine Träne im Augenwinkel glitzert. Dieses Mal konnte jeder soviel Informationen sammeln, wie er wollte. Auf allen Kanälen wurde berichtet, debattiert und Emotionen geschürt. Diese Sensationslüstrigkeit auszuhalten, war eine Herausforderung. Wir mussten lernen, dass die stetige Berichterstattung sich auch auf unser Gemüt schlagen und wir durch gezieltes Abstand nehmen, besser auf die Patientensituationen eingehen konnten. Im Hier und jetzt zu handeln, half uns, den Fokus zu behalten.

«Wir sind es uns nicht gewohnt, dass die Welt weiss, was wir tun. Normalerweise wissen die Menschen im Tram neben mir nicht, was ich bei meiner Arbeit erlebe.» 
Katharina round
Zum Schluss

So, ein halber Roman später wisst ihr nun, was sich hinter den Türen abgespielt hat. Danke auch euch fürs Durchhalten, Mitfiebern und Nachfragen. Wir haben uns fachlich, menschlich und persönlich engagiert, um die Jugendlichen und ihre Familien weiterzubringen, sind mit ihnen gewachsen und werden die Begegnungen in unseren Herzen tragen. Wir wünschen allen auf ihrer weiteren Reise nur das Beste.

Katharina Rüdisüli

Als Dipl. Expertin für Intensivpflege arbeitet Katharina Rüdisüli im Universitäts-Kinderspital Zürich. Von ihrem abwechslungsreichen Arbeitsalltag, ihren emotionalen Begegnungen und abenteuerlichen Herausforderungen erzählt sie hier im PulsBlog. 

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