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Und jetzt?

  • Katharina Rüdisüli

Bist du ein Teenager, wirst du von allen möglichen Leuten zu jeder erdenklichen Gelegenheit gefragt, was du werden willst. Frisch verheiratete Paare sind wahrscheinlich öfter als ihnen lieb ist, konfrontiert mit der Frage, wann denn der Nachwuchs komme und Menschen kurz vor der Pension dürfen Auskunft geben, was sie sich für die Zeit «danach» vorgenommen haben. Schon spannend, wie neugierig oder besser gesagt, wie wohlwollend interessiert die Leute sind. Ständig wollen sie wissen, wie es nun weiter geht und welche Entscheidungen getroffen worden sind. 

Auch ich bin wieder einmal betroffen. Gerade kam die Nachricht, dass ich bestanden habe. Hurra und Luftsprung! Das letzte Modul ist erfolgreich beendet und ich werde exmatrikuliert. Somit wird mir ein weiteres Diplom, dieses Mal mit dem Titel «Master of Science in Pflege», verliehen. Wow, ich kann es noch gar nicht glauben. Fertig. Geschafft. Vorbei. Emoji mit Sternchenaugen.

Während ich freudig motiviert alle Unterrichtsunterlagen wegräume, mich an der zurückgewonnenen Freiheit ergötze und auf der «überstanden»-Wolke schwebe, fragen bereits gefühlt alle, was ich denn nun gedenke mit diesem Titel zu tun. Huch, schwierig. Ich bin total inspiriert, habe Hunderte Ideen, aber vor allem den grossen Wunsch nach einer doppelten Portion Nichts.

Die letzten Monate habe ich wahnsinnig viel über Forschung im Gesundheitswesen, Clinical Assessment, Pharmakologie, Diversität, familienzentrierte Pflege, Implementation Science, komplexe und andere Situationen gelernt, debattiert, vertieft und wieder vergessen. Natürlich habe ich nebenher weiter im Schichtdienst gearbeitet und die Tage sind nur so an mir vorbeigezogen. Unzählige Stunden bin ich an meinem Schreibtisch statt draussen in der Sonne gesessen und habe die Jahreszeiten am Baum vor dem Haus an mir vorbeiziehen sehen. Meist musste ich vor oder nach der Arbeit Aufgaben fürs Studium erledigen. Ich kenne das Sortiment der Grossverteiler an Fertignahrung besser, als mir lieb ist. Manchmal war ich nach der Schicht so müde, dass es mir gerade recht kam, im Unterricht einfach dasitzen und zuhören zu können. Wiederum verbrachte ich so viele Stunden sitzend, dass ich abends eine Extrarunde joggen musste, um trotzdem schlafen zu können. Die Abschlussarbeit hat mich monatelang beschäftigt. Ich habe untersucht, wie Pflegefachpersonen die Pflege kritisch chronisch kranker Kinder auf der Intensivstation erleben, doch dazu ein anderes Mal. Arbeitest du an deinem eigenen Forschungsprojekt, fürchtest du dich plötzlich nicht mehr vor Schlangen, sondern davor, dass jemand deinen Laptop klauen könnte. Noch nie habe ich mich so umsichtig um Speicherorte und Back-ups bemüht. Wahrscheinlich bin ich nur dank der Fürsorge und dem Verständnis für meine Situation aus meinem grossartigen sozialen Umfeld nicht wahnsinnig geworden.

Trotz der liebevollen Anteilnahme all dieser fragenden Menschen ist mir aktuell ziemlich egal, was aus mir nun werden wird. Wichtig ist, dass mich dieses Studium weitergebracht hat. Ich weiss nun noch genauer, was ich alles nicht weiss, und mein Verständnis für die Komplexität der Pflegebranche ist um ein Vielfaches gewachsen. Es fühlt sich toll an, neue Skills zu besitzen.

Natürlich wäre es fantastisch, dieses Wissen nun anwenden zu können. Einen Nutzen daraus ziehen zu können. Nicht nur für mich, sondern auch für das Patient:innen-Outcome, mein Team und die Pflegequalität. Oder gar für den durch das Studium entstandenen Erwerbsausfall angemessen entschädigt zu werden. Ein Traum vieler studierter Pflegefachpersonen.

Doch erst einmal gönne ich mir die wohlverdiente Pause. Und dann dürft ihr wieder fragen.

Bemerkungen

Katharina Rüdisüli

Als Dipl. Expertin für Intensivpflege arbeitet Katharina Rüdisüli im Universitäts-Kinderspital Zürich. Von ihrem abwechslungsreichen Arbeitsalltag, ihren emotionalen Begegnungen und abenteuerlichen Herausforderungen erzählt sie hier im PulsBlog. 

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