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Das Image der Pflege

  • Esther Peyer

Am 7. September findet am BIZ Oerlikon die Infoveranstaltung «Gesundheitsberufe entdecken – Einstieg für Erwachsene» statt. Bei diesem Anlass werde ich vor Ort sein und über meinen Quereinstieg als Pflegefachfrau HF berichten. Zur Vorbereitung durfte ich mich wieder einmal mit der Thematik auseinandersetzen, warum ich vor sieben Jahren vom Coiffeurberuf in die Pflege gewechselt habe. Das Image der Pflege ist in der öffentlichen Wahrnehmung nicht immer ganz unbelastet. Es hängt quer in der gesellschaftlichen Meinung und wartet nur darauf, wieder in die Gerade gebogen zu werden. Vielleicht war dies «gerade» mein Anreiz.

Das Image der Pflege trägt in meinem Umfeld meistens den gleichen Titel: «Hut ab von deiner Leistung – ich könnte das nicht». Ich nehme diesen wohlgemeinten Satz immer mit einem Hauch von Skepsis auf. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass der Mensch ein ewig lernfähiges Wesen ist, dass immer und immer wieder über seine eigenen Grenzen wachsen kann. Wir alle besitzen die Fähigkeit, über uns hinauszuwachsen und das finde ich eine wunderbare und sehr ermutigende Tatsache, die ich jedem Menschen auf seinem Lebensweg mitgeben möchte.

Esther round
«Das Image der Pflege trägt in meinem Umfeld meistens den gleichen Titel: «Hut ab von deiner Leistung – ich könnte das nicht». Ich nehme diesen wohlgemeinten Satz immer mit einem Hauch von Skepsis auf. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass der Mensch ein ewig lernfähiges Wesen ist, dass immer und immer wieder über seine eigenen Grenzen wachsen kann.» 

Als Coiffeuse behandelte ich über zehn Jahre meistens eher ältere Menschen, wobei ich natürlich ihre zunehmenden Schwierigkeiten mit Beweglichkeit, Gedächtnis und Haushalt vor meinen Augen mitbekam. Durch die zunehmende Mühseligkeit meiner Kund/innen entdeckte ich nicht nur mein wachsendes Interesse an einem sozialen Beruf, sondern war auch der Überzeugung, dass ihnen alle Last abzunehmen das Wichtigste sei. Für mich hatte das Image der Pflege etwas selbstloses, aufopferndes an sich. Ich wollte meinen Teil zur Gesellschaft beitragen. Heute weiss ich, dass ein Schritt zurückgehen, um meinem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, eigene Strategien und Lösungen selbst zu entwickeln, ein Vorrecht jedes Menschen ist. So lernte ich erst, was gute Pflege wirklich bedeutet und dass es darum geht, Gesundheit zu fördern und Krankheit vorzubeugen.

 

«So lernte ich erst, was gute Pflege wirklich bedeutet und dass es darum geht, Gesundheit zu fördern und Krankheit vorzubeugen. » 
Esther round

Ein guter Tag für mich ist es, wenn ich spüre, dass auf der Abteilung eine gute Stimmung wahrnehmbar ist, wenn wir im Team Spass haben und das ganze Volumen des Pflegealltags in das zeitliche Management hineinpasst. Das Arbeiten mit Menschen mit Demenz macht mich sehr demütig und berührt mich immer wieder aufs Neue. Anfangs war es mein Ziel, all mein Wissen nach Schule eins zu eins in die Tat umsetzen zu können. Heute ist es mein Ziel, eine Pflegefachfrau zu sein, die am Abend mit Stolz in den Spiegel schauen kann. An meinem Wissen hat sich dabei nichts geändert – ich habe nur meine Messlatte mit Silberfolie verkleidet.

Mein heutiges Motto lautet: «Das Leben kommt an der Pflege nicht vorbei.» Irgendwann wird jede und jeder von uns mit dem Pflegeberuf konfrontiert werden, sei es als Berufswahl, als Patient/in oder wenn Angehörige ins Spital oder Pflegeheim eintreten. Somit steht klar fest, dass das Thema Pflege nicht aus dem eigenen Leben ausradierbar ist und der zunehmende Personalmangel auf beiden Seiten, egal ob Betroffene oder berufsausführende Person, spürbar ist. Ich empfehle es aus eigener Erfahrung auf der Seite der Ausgebildeten zu stehen, es ist eine Bereicherung für sich und das Leben. Durch die Ausbildung konnte ich auch viel über mich selbst erkennen und sehe mein weiteres Wachsen in der Pflege als ständiger Lehrmeister meiner eigenen Persönlichkeit.

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«Mein heutiges Motto lautet: «Das Leben kommt an der Pflege nicht vorbei.» Irgendwann wird jede und jeder von uns mit dem Pflegeberuf konfrontiert werden, sei es als Berufswahl, als Patient/in oder wenn Angehörige ins Spital oder Pflegeheim eintreten.» 

Infoveranstaltung «Gesundheitsberufe entdecken – Einstieg für Erwachsene»

Montag, 07.09.2026, 19:00 bis 20:30 Uhr

Ort:
Biz Oerlikon
Dörflistrasse 120
8090 Zürich

Infoveranstaltung «Gesundheitsberufe entdecken – Einstieg für Erwachsene» | Berufswahl-Portal

Esther Peyer

Esther Peyer ist diplomierte Pflegefachfrau im Gesundheitszentrum für das Alter Bombach der Stadt Zürich und berichtet über Themen und Situationskomik aus der Langzeitpflege. Mit ihren Blogs möchte sie Menschen im Pflegeberuf, oder jene, welche sich für die Pflege interessieren, zum Nachdenken, Mitfühlen und Schmunzeln anregen, ohne dabei Schwierigkeiten zu tabuisieren.

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