Mit dieser Mann- und Frauschaft stemmten wir die Akutphase. Die Jugendlichen, die bei uns auf der Intensivstation auf Grund ihren Verbrennungen hospitalisiert waren, sind weitergezogen. Zeit innezuhalten und zurückzublicken. Noch nie war das Interesse und die Betroffenheit so gross. Nicht nur Menschen, die wir gut kennen, nein auch flüchtige Bekannte haben sich erkundigt.
Nun ist es soweit. Gerne begleiten wir euch hinter die Türen. Brandverletzte Patient:innen versorgst du nicht alleine. Duzende Hände sind involviert. In den nächsten fünf Tagen berichten Isabelle, Lorena, Marie-Sophie, Nicole, Tim, Stephanie, Gioia und Rahel und ich aus der Perspektive der Pflegefachpersonen, was uns bewegt hat. Lisa und Dana ergänzen uns von der Seite der Therapien. Wir könnten stundenlang erzählen. Ihr braucht also genau so viel Durchhaltewillen, dies hier zu lesen, wie die Jugendlichen und ihre Familien während ihres Aufenthalts bei uns. In den kommenden fünf Tagen erscheinen fünf Texte, die Einblicke in unseren Alltag geben.
Das passiert in der Akutversorgung
Nach dem Unfall werden die betroffenen Hautareale von den plastischen Chirurg:innen inspiziert, gereinigt, behandelt und verbunden. Sie lassen uns wissen, wie wir die Verbände zu versorgen haben. Und noch viel wichtiger, wie die Patient:innen positioniert werden dürfen. Je nach Phase der Wundheilung dürfen gewisse Körperstellen und Gelenke – für eine optimale Heilungschance – nicht zu fest belastet werden. Das heisst, mal darfst du z.B. die Arme beugen, mal nicht.
Je mehr Haut verletzt ist, desto weniger Flüssigkeit kann der Körper speichern. Die Patient:innen benötigen viele Infusionen und Wärme. Dafür brauchen wir Schleusenzimmer, die wir heizen können. Zum Schutz vor Infektionen oder Keimübertragungen tragen wir Pflegenden oft zusätzliche Schutzmäntel und Masken. Es ist wortwörtlich schweisstreibend, bei gut 30° Zimmertemperatur im Akkord zu arbeiten. Patient:innen mit thermischen Verletzungen benötigen nicht nur verschiedene Schmerz- und Schlafmedikamente. Sie brauchen auch regelmässig Kreislaufunterstützung, hochkalorische Ernährung und Spurenelemente wie Kupfer oder Zink zur verbessernten Wundheilung. Kaum ist das eine Medikament verabreicht, muss das nächste gegeben werden. Wir haben eine elektronische Patientendokumentation. Die Aufgaben, die zu erledigen sind, blinken auf, wenn sie fällig sind. Es ist wie ein nicht endendes Spiel. Kaum sind alle Häkchen gesetzt, kommen wieder neue Aufgaben.
Dazwischen soll aber die Zeit genutzt werden, um die Patientensituation richtig einzuschätzen. Ist die Kreislaufsituation stabil? Löst der/die Patient:in genügend Urin? Schwankt die Temperatur? Schliesslich müssen wir an der Visite mit dem ärztlichen Team Auskunft geben können.
Die Verbände müssen geprüft und angespült, die Haut, wo nicht verbunden, gepflegt werden.
«Ist die Kreislaufsituation stabil? Löst der/die Patient:in genügend Urin? Schwankt die Temperatur? Schliesslich müssen wir an der Visite mit dem ärztlichen Team Auskunft geben können.»
Kommen die Therapeut:innen für ihre Interventionen, gilt es auch ihnen Platz einzuräumen. Die Atemmuskulatur muss trainiert und die Gelenke bewegt werden. Die Physiotherapeutin Lisa betont, dass es wirklich sehr wichtig für das Wiedererlangen der Beweglichkeit ist, dass die Patient:innen möglichst früh und konstant bewegt werden. Oh, und Dana, die Ergotherapeutin, ist im Operationssaal mit dabei. So kann sie den tiefen Schlaf – die Narkose – ausnutzen und die Gelenke bewegen, trainieren und Folgeschäden wie Funktionseinschränkungen minimieren.
Gab es beim Unfall viel Rauch, kann es zu einem Inhalationstrauma kommen und die Lunge kann arg beschädigt sein. Damit die Lunge sich erholen kann, ist manchmal der Einsatz einer Herz-Lungenmaschine nötig. Eine Pflegende ist dann nur für die Funktion der Maschine zuständig und eine zweite kümmert sich um die Medikamente und Verbände etc.
Da ist es wirklich super, wenn du für diese vielen Arbeiten Hilfe hast. Oft schlafen die Patient:innen in dieser Phase zwar tief, merken es aber doch, wenn du die ganze Zeit um sie herum wuselst. Darum setzen wir uns auch für Ruhephasen für die Patient:innen ein. Pflegemassnahmen versuchen wir zu bündeln und schicken darum auch mal bewusst alle aus dem Zimmer. Denn wir wissen, Ruhe und Schlaf fördert die Genesung.
Pause auch für euch. Lest morgen, wie wir die Familien der Betroffenen begleiten.